BKaE gegen das Schweigen!

15. Mai 2026

Vortrag von Katrin Himmler und Schülerbeiträge zu Gedenkstättenfahrten

 Es ist still im Forum des Berufskollegs am Eichholz. Konzentriert und gebannt hören etwa 100 Schülerinnen und Schüler Katrin Himmlers Vortrag zu. Ausgehend von ihrer eigenen Familiengeschichte beschreibt sie, wie Täter- und Opferrollen durch Vergessen, Umdeutungen und Schweigen in der Familie vertauscht werden. Sie appelliert: „Wir müssen in der Familie sprechen!“, auch wenn der 2. Weltkrieg und damit das Nazi-Deutschland über 80 Jahre zurückliegen.

Katrin Himmler stellt zu Beginn des Vortrags klar, ihr Großonkel Heinrich, Reichsführer SS und einer der führenden Nazis, sei verantwortlich für die Organisation der Judenvernichtung im Nazideutschland gewesen. Lange habe dieser als schwarzes Schaf der Familie gegolten, von seinen beiden Brüdern und auch den Eltern habe es geheißen, dass sie eher unpolitisch gewesen seien. „Meine Familie hat sich immer streng von Heinrich distanziert, um zu signalisieren, dass sie seine Denkweise nicht vertreten“, sagt Katrin Himmler. Erst bei ihren Recherchen sei herausgekommen, dass fast jeder aus der Urgroßeltern- und Großelterngeneration väterlicherseits mit den rechtsextremen Denkweisen sympathisiert habe, erklärt die Autorin des Buches „Die Brüder Himmler“. Diese Erkenntnis sei für sie erschreckend und verstörend gewesen.

Ihr sei bald deutlich geworden, dass nicht nur in ihrer Familie, sondern auch in anderen deutschen Familien nach 1945 die (Mit-) Verantwortung an den NS-Verbrechen oftmals verschwiegen, verharmlost und zum Teil noch bis heute geleugnet werde. Deutlich werde auch, welche Auswirkungen dieses familiäre Schweigen auf die nachkommenden Generationen hat: die Geschichte werde neben Holocaust-Denkmälern und Stolpersteinen, die an die dunkle Vergangenheit erinnern, nur verzerrt wahrgenommen. Es gebe eine gesellschaftliche Tendenz des Vergessens oder Verdrängens, das Wissen werde immer lückenhafter. Und sie stellt Fragen: „Wie gehen wir heute mit Minderheiten um? Wie gehen wir mit unserer Verantwortung um?“

Gerade im derzeitigen Wahlverhalten vieler Bürger sieht Katrin Himmler Parallelen zu den Anfängen des Nationalsozialismus. „Auch vor der Machtergreifung Hitlers haben die Menschen geglaubt, dass die Nazis ihnen bei ihren Problemen helfen könnten“, erläutert sie den Schülerinnen und Schülern des BKaE. Auch damals habe man, ebenso wie heute die rechtsextremen Parteien, die Ängste der Menschen geschürt, um mit vermeintlich simplen Lösungen Wählerstimmen generieren zu können. Ihr Fazit: Nur Aufklärung helfe. „Wir müssen uns die Geschichte bewusst machen“. Demokratie sei kein Zustand, auf dem man sich ausruhen könne. „Da sind alle gefordert, sich aktiv um Demokratie zu kümmern!“

Schülerinnen aus dem beruflichen Gymnasium runden die Veranstaltung ab. Sie bringen auf den Punkt: „Kein Schüler und keine Schülerin sollte diese Schule verlassen, ohne eine Gedenkstätte besucht zu haben.“ Ihre Eindrücke aus der bildungsgangübergreifenden Exkursion zur Gedenkstätte KZ Bergen-Belsen im März diesen Jahres schildern sie im Gespräch. Im Religionsunterricht entstanden Poetry-Slam-Texte, um der Frage nachzugehen, wer für den Holocaust verantwortlich ist. Die Schüler und Schülerinnen präsentieren ihre berührenden Texte nach dem Vortrag von Katrin Himmler. Sie kommen zu dem Schluss: „Wenn wir wegschauen, wenn heute wieder Hass verbreitet wird, dann haben wir nichts gelernt.“